Unter diesem Titel habe ich, Adrian Suter, (damals) Student an der Christkatholisch-theologischen Fakultät in Bern/Schweiz, im September 1995 eine Seminararbeit im Fach Systematische Theologie eingereicht. Für eine Seminararbeit ist sie recht umfangreich geraten. Da ich aber der Meinung bin, zu Erkenntnissen gekommen zu sein, welche in der Diskussion um die Wunder interessante Anstösse geben könnten, stelle ich die ganze Arbeit hier zur Verfügung, einerseits als Hypertext, andererseits als Datei zum Download als PDF.
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Ein Wunderbegriff, der vom Ereignis ausgeht und von der Wundererfahrung der betroffenen Menschen abstrahiert, wird als primäres Charakteristikum des Wunders das überraschende, Unerklärliche, die Naturgesetze Durchbrechende sehen. Seinen theologischen Ort hat das Wunder in dieser Sichtweise als Demonstration der Allmacht Gottes. Thomas von Aquin hat einen entsprechenden Wunderbegriff vertreten, was vor dem Hintergrund der aristotelisch geprägten Naturwissenschaft seiner Zeit verständlich ist. Allerdings ergeben sich vor dem Hintergrund der neuzeitlichen Naturwissenschaft und Wissenschaftstheorie Schwierigkeiten: es ergibt logisch keinen Sinn, von einer Durchbrechung der Naturgesetze zu reden.
Ein Wunderbegriff, der von der Wundererfahrung ausgeht, erkennt drei miteinander zusammenhängende Charakteristika des Wunders. Erstens ist das Wunder für den Menschen überraschend, zweitens heilsstiftend, drittens verweist es zeichenhaft auf Gott. Sein theologischer Ort ist die Offenbarung des Heilswillens Gottes. Dieser Wunderbegriff hat eine ganze Reihe von Konsequenzen: ein Wunder besteht nur relativ zum gläubigen Menschen, die Historizität des Ereignisses als solche verliert ihre theologische Bedeutung, Wunderapologetik wird deswegen irrelevant, und zwischen Wundern und alltäglichen Ereignissen gibt es keinen fundamentalen, nur einen graduellen Unterschied. Dieser zweite Wunderbegriff ist nicht betroffen durch die wissenschaftstheoretischen Probleme, die der erste mit sich bringt. Aber nicht nur das: er erweist sich auch in der Konfrontation mit Grundaussagen der Fundamentaltheologie und der Christologie als theologisch angemessen. Deshalb meine ich, es sei nur mit einem solchen Wunderbegriff wissenschaftsphilosophisch und theologisch verantwortbar, heute an Wunder zu glauben.
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